Missstände in Altenpflege

2011

Home Kontakt youngspiriX Rundfunk chrismon Gemeindebrief Evangelische

Häuser zivil

Wenn die Eltern älter werden

25. November 2010 – 18:36 – verfasst

im Kreis

Wenn die Eltern älter werden

Tags: Altenpflege; Pflegeheim; Wohngruppe; Pflege-WG; Krankenhaus;

Seelsorge; Demenz; Multiple Sklerose; Pflege; Kirche; Caritas

Neues von der Pflege(front) – der

4. (vorerst letzte) Teil

(überforderte Pfleger oder mangelhafte Ausbildung?)

Es ist heute der Tag 25 in der von mir so gepriesenen Pflege-Wohngruppe.

Doch kommt wieder ein Kampf an der Pflegefront?

Die Fakten von heute – mein Vater ist seit dem 1. NOvember in der

modernen neuen PflegeWG, hat eigene Möbel, es sind nur 8 oder 9

Pflegebedürftige, immer ist eine ausgebildete Kraft da, mobile Pflege

kommt von außen (aber alles aus der eigenen Organisation). Eigentlich

sollte das klappen. Hier mein aktueller Bericht auf der Grundlage

einer ca. 6stündigen Beobachtung durch eine Vertrauensperson, die

wirklich nur zu Besuch da war – und nicht zur Kontrolle. Sie sagte,

sie sei sehr traurig: Nenne ich die Vertrauensperson jetzt mal

„Engel“:

Um 11 Uhr kam der Gast. an, war angekündigt. Unser Vater saß mit

demselben Hemd, wie schon letzten Samstag, Sonntag dort. D.h. er saß

im Bad neben der Dusche, aber er kam zurück und fand den Besuch,

freute sich, begrüßte den Engel.

– Er wartete auf das Duschen,Um halb 12 wurde er geduscht, weil der

Gast sagte, warum er nicht geduscht ist. „. Der Engel wollte ihn doch

– wie von mir angemeldet – heute besuchen. Dass er die Markierungen an

der Wäsche machen wollte, ist ja klar – aber der Besuch ist ´Besuch.

Der Engel wurde gefragt, ob –er/sie— ihn duschen wolle. Der Engel

lehnte – zum Glück und zu Recht – ab. Das sei Aufgabe des

Pflegedienstes.

– Mein Vater war nicht rasiert. Erst mittags um 12 nachdem der Engel

freundlich, still und bescheiden bat, dass man das mache. Sonntag war

er auch unrasiert. Nachmittags!!!!

– Die Bettwäsche war und ist dreckig. Wenn ich den Engel richtig

verstanden habe, hat der Engel die nun gewechselt. Aber ich soll – so

sagt der Engel – beim nächsten Besuch die Bettwäsche kontrollieren.

ES IST DIESELBE AUS DER ALTEN WOHNUNG!!!!!! Und die war schon eine

Woche vor dem Krankenhausaufenthalt dort aufgezogen worden und vom

Umzugsunternehmen dort so wieder aufgebracht worden. Da war sie noch

sauber.

– Sonntag lagen da drei dreckige Unterhosen rum, sein Schlafanzug war

nicht im Bett. Wo??

– Der Engel sagt, dass es die Pflegekraft vom letzten Sonntag war. Sie

ist freundlich, nett.  Der Engel möchte ihr nichts Böses nachsagen –

aber sie sei wohl überfordert als Einzelperson mit 8 oder 9 Leuten.

Kann man sich vorstellen.Aber es waren noch Praktikantinnen dort,

vermute ich. Was machten die? Wäsche wechseln, rasieren – ist doch

kein Problem.

WICHTIG:

Der Engel bat um Wasser für Papa. Ich habe dort ja am 1. November 2

Kästen deponiert, die er noch in der Wohnung hatte. Man brachte zwei

Gläser Wasser, aber wieder jemand anderes – wohl eine von den

Praktikantinnen?? – Der Engel wollte aber mindestens eine Flasche am

Vormittag – und bat am Nachmittag um eine zweite Flasche. Nicht mal

für sich. Aber da kam die Praktikantin nicht dran, sagte sie. Warum

nicht??? Wasser ist doch das Wichtigste. Essen bekommt er genug, hat

zugenommen. Aber WASSER : WASSER!!!! Ich krieg die Krätze. Der nächste

Grund fürs Krankenhaus???

–ZWEI- BIS DREI LITER WASSER SOLL ER TRINKEN!!!!

Es geht wieder los mit den Gefahren?

Den Betreuer habe ich informiert. Er wird wohl am Wochenende mal

hinfahren. Ich kann auch erst wieder am Samstag. Ich muss Ruhe

bewahren. Aber ich werde nun nicht mehr entspannt zu Hause sein

können, bis das geklärt und geändert ist.

Einige Tage später rief mich der Betreuer an: Es wird jemand geben,

der sich um diese Dinge künftig kümmert.

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Rechtlicher Hinweis: Meine Berichte sind Berichte von meiner

Erfahrungs- und Erlebniswelt. Sie sind nicht oder nicht immer von

unabhängigen Zweiten oder Dritten kontrolliert, sind kein in jedem

Detail bewiesenes Dokument. Aber es ist original das, was mir „Der

Engel“ berichtet hat. „Der Engel“ wird künftig mein Pseudonym für

Menschen sein, die mir vom Zustand meines Vaters mit Herz und Verstand

berichten. Es steht den Betreibern offen, hier in geeigneter Weise

eigene Sachdarstellungen zu geben. (Erfahrungsgemäß ist alles immer

nicht wahr, wie man gestern im „Hart-aber-fair“-Austausch hören

konnte. Alles ist gut. Kritik nur Übertreibung oder Äußerung

verwöhnter Europäer. SChaut doch mal nach …. ja, wohin? Nach

Rumänien? Russland? Ich lebe HIER!

Durchschnitt:

Bewertung auswählenMangelhaftAusreichendBefriedigendGutSehr

gutMangelhaftAusreichendBefriedigendGutSehr gut

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (3 Bewertungen)

Neuen Kommentar schreiben Druckversion Weiterempfehlen

Kommentare

Relax!

Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 26. November 2010 – 15:56.

Hallo Baksb, vielleicht kannst Du trotzdem versuchen, Dich zu

entspannen. Für Dein eigenes Wohl, und damit für das Wohl aller, mit

denen Du zu tun hast. Das ist sicher sehr wichtig, mit dem

Verantwortlichen für die Pflege Deines Vaters zu sprechen. Was Ihr

positiv seht, was Ihr bemängelt. Aber möglichst freundlich bleiben,

alles andere bringt meiner Meinung nach nichts.

Antworten

Immer freundlich bleiben…

Verfasst von baksb am 27. November 2010 – 8:51.

…Habe lediglich den Betreuer informiert. Er gibts einer an sich

nicht zuständigen Ansprechpartnerin weiter, die dann… heute besuche

ich meinen Vater, lüfte (weil es im Raum immer feucht ist, wenn ich

komme und der Bilderrahmen schon verzogen. Die Fenster sind neu und

dicht). Und ich werde nichts sage dazu. Lächeln. Danach fahre ich nach

Haus und ärgere mich allein für mich.

Antworten

„Ärgere mich allein für mich“??

Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 27. November 2010 – 11:14.

Gefühle sind eine Gelegenheit, an einer Situation zu arbeiten (hat

mir, Gott sei Dank, in den letzten Jahren ein kluger Mensch

beigebracht). Gerade die Herausforderungen durch das Altwerden der

Angehörigen bringen viele Gefühle mit sich – und daher viel

Gelegenheit, an Situationen zu arbeiten, so dass es möglichst gut

wird.

Mehr dazu bei mir in dem Thread mit der Verwandten, die in unsere

Stadt gezogen ist.

Antworten

27. November 2010, eigener Bericht

Verfasst von baksb am 27. November 2010 – 11:40.

Wohngemeinschaft aufgesucht. Vorher zum nahe liegenden katholischen

Pfarramt, um jemand zu finden, der meinen Vater zumindest an den

Advent-Sonntagen vor der Heiligen Messe abholt und wieder in die

Wohngruppe bringt. Ca. 250 m sind es zwischen Kirche und Wohngruppe.

Gleich nebenan die evangelische – aber da will er nicht hin, sagt er.

Leider hat das Pfarramt zu. Samstags und Sonntags immer. Pech gehabt.

Berufstätige pflegen im Allgemeinen zumindest Samstag und Sonntag die

Dinge zu erledigen, die man in der Woche nach 17 Uhr nicht erledigt

bekommt. Denn dann habe die Ämter ja auch zu. Kirch ist eben offenbar

doch nur noch eine beamtete Verwaltung, eine Verwaltung des Glaubens.

Entweder Du passt dazu und passt Dich an und kommst, wann sie da sind

– oder Du lässt es. Zu Dir kommt keiner.

Dann in das Zimmer. Vater war bei seiner „Freundin“ – sie schauten auf

ihrem Breitwand-Bildschirm TV, sein Zimmer war leer.

Zwei Tage nach dem Besuch des „Engels“ sehe ich:

– zwei nasse Unterhosen unter dem Wohnzimmertisch. Schmutzig.

– Ein brauner Kotstreifen auf der Überdecke. Die ist aber fein

säuberlich über das gemachte Bett gelegt. Hat er wohl selber gemacht.

– Ich hebe das Oberbett – brauner Streifen und insgesamt dreckiges Laken.

– Das Zimmer ist nicht gelüftet, der Vorhang noch zugezogen. Ich öffne

zum Lüften, sehe die feuchten Tropfen unten am Fenster. Selbst der

Vorhang ist klamm. 80 Prozent Luftfeuchtigkeit zeigt das Barometer

bzw. der Feuchtigkeitsanzeiger an. Innerhalb des Zimmers.

Ich nehme das von mir zusammengestellte Fotoalbum und – gemeinsam

schaue ich mit meinem Vater die Bilder an, die ich aus den Schubladen

beim Umzug geholt, gesichert, digital kopiert und vergrößert, in einen

großen 20×30 cm Bildband zusammen gestellt habe. Schöne Fotos von

unserem Vater auf einem Motorrad, vor einem alten Omnibus auf dem er

mal Schaffner war, in den diversen Wohnungen seit 2007 und am

Pflegebett seiner Frau, unserer Mutter.

„Was machen wir Weihnachten?“, fragt er. Ich sage, das hängt von

unseren Kindern ab, ob wir bei ihnen oder sie bei uns den Heiligabend

verbringen möchten. Vermutlich würde ich ihn am 1. Feiertag holen,

weil Heiligabend die 20 qm Wohnzimmer und die 10 qm Küche mit 8 Leuten

schon sehr voll wäre. Die WG hat dafür weit mehr Platz. Aber wir

können nicht alles an einem Abend „schaffen“. Weihnachten hat zum

Glück noch mehrere Tage. Es sei denn, der real existierende Atheismus

schafft die bald ab.

Antworten

Super Fotoalbum!!

Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 29. November 2010 – 14:35.

Lieber Baksb,

was Du im ersten Teil schreibst, ist unangenehm für uns

Noch-Nicht-Demente. Deinen Vater stört es wahrscheinlich nicht, weil

er es gar nicht so bemerkt. Trotzdem sollten die Mitarbeiter der WG

sich dazu äußern, wie sie mit dem Thema Inkontinenz umgehen.

Aber die Beschreibung des Fotoalbums und dass Du das mit Deinem Vater

ansiehst, ohne Dich erst mal über den Dreck im Zimmer aufzuregen,

finde ich großartig. Was Du da für eine Arbeit reingesteckt hast. Das

nehme ich mir zum Vorbild.

Antworten

Was gelingt, was fehlt?

Verfasst von baksb am 29. November 2010 – 17:22.

Hallo Kathy,

ich hab das gar nicht mal mehr so bemerkt, dass man meinen Beitrag

eher mit Focus Inkontinenz lesen könnte. Ich habe das ja schon seit

Jahren um mich – erst mit den Kindern als sie klein waren – und dann

das Enkelchen – und nun die Eltern. Ich kenne das gar nicht anders.

… Das Problem ist auch mehr gewesen, dass man da in ein Zimmer kommt

und gleich obenauf der unhygienische Anblick keinem vorher aufgefallen

ist – ja, dass sogar drei Tage später noch derselbe Makel dort obenauf

sichtbar ist. Weniger eine Frage der Inkontinenz – eher eine der

Schwäche in Sachen Aufstehen und Gehen. Denn wenn man nicht mehr so

flott ist, wie wir Jüngeren, dann dauert es zu lange, bis man

aufgestanden ist, sich zur Seite gedreht, auf die Beine gestellt hat –

man benötigt eben Hilfe. Völlig normal finde ich das für jemand, der

gerade noch scheinbar kurz vor dem Sterben schien und nun wie vor

einem Jahr ohne Stock durch das Zimmer geht, obwohl der Stock manches

sicherer machen würde.

Es ist mehr eine Frage der Sorgfalt der Sorgenden, die dem

Sorgebedürftigen die Sorgen für sich selbst erleichtern sollen.

Aufmerksamkeit ist mein Thema. Nicht Perfektion. Es liegt vielleicht

an meinem Beruf, dass ich immer Alles um mich herum wahrnehmen muss,

ohne ausdrücklich dort hinzuschauen. Ein Blick in den Raum, und ich

erfasse zwangsläufig das, was abweicht vom Normativen.

Aber es gelingt ja – es wird ab gestern eine junge Frau geben, die

dort wohl ihr Praktikum macht und die Aufgabe des Beistehens für

meinen Vater übernommen hat. Verantwortlichkeiten schaffen – bestes

Prinzip guter Leitungsverantwortlicher. Das klappt – der Betreuer hat

sich drum gekümmert. Gespräche geführt, Verantwortlichkeiten und

Aufgaben abgeklärt – auch, wer für das Lüften des sehr feuchten

Zimmers sorgt, wer die Bettwäsche wechselt, wer die Altwäsche

einsammelt, wer die Wäsche in den Schrank einräumt. Das macht zu Hause

meist eine Frau, oder ein Mann (wenn die Sozialisation nach Alice

Schwarzer funktioniert hat… :-)) )

Und man hat mir versichert, dass ich unbesorgt sein könne – man

kümmert sich. Und ich atme durch, denn ansonsten bin ich mit den

Wohnbedingungen und dem Konzept sehr zufrieden. Unselbständigkeit ist

nicht bei allen alten oder pflegebedürftigen Menschen der Fall. Leider

bei meinem Vater, der jahrzehntelang bei der Arbeit geschätzt und

kompetent war – nur zu Hause regierte die Frau, die vor ihm ging. Und

nun sitzt er da. Scheidung nach dem Plan des lieben Gottes nenne ich

das. Ungewünscht – aber unabänderlich. Einer wird der Erste, einer der

Letzte sein.

Antworten

Fotoalbum – die Geschichte der Familie

Verfasst von baksb am 29. November 2010 – 17:33.

Ein Wort zu meiner Album-Idee.

Pixum oder Kodak oder ähnliche Firmen bieten eine einfache und

kostenlose Software an. Man kann dort verschiedene Album-Größen,

Layouts etc. aussuchen, Farben gestalten, Bilder groß oder klein oder

wie in einem alten Album einsortieren.

Dazu kann man Texte schreiben, welche die Geschichte hinter dem Bild

oder einen Aspekt oder ein Gedicht oder ein aufbauendes geistliches

Wort etc. enthalten. Bei uns waren es die kraftvollen Jahre des

Aufbaus, alte Zeitungsausschnitte der engagierten Mutter, des

fleißigen Vaters, des kleinen Ladens an der Ecke oder des alten Autos

etc. Es sind die mit einem preiswert zu erhaltenden Scanner

digitalisierten alten Bilder oder Texte, die ich in den Schubladen

fand. Man kann auch Gegenstände scannen, die dann als Foto erscheinen

– manchmal künstlerisch angeordnet. Sie lösten bei meinem Vater, der

von „gestern“ noch fast Alles weiß, ein Schmunzeln, erinnernde

Bemerkungen und jedenfalls Wiedererkennen aus.

Ich habe es mal mit nach Hause genommen – auch meine Frau und mein

Sohn fanden das Buch gut. Die beiden Töchter sollen es noch sehen –

dann kommt es wieder zu meinem Vater. Er wird es möglicherweise wieder

ganz neu für sich entdecken – aber egal. Wenn es jeden Tag für ihn

eine Wiederholung des bei ihm noch Präsenten ist, wird er hoffentlich

froh sein und Anderen davon erzählen. Und sei es seiner „WG-Freundin“,

bei der ich ihn beim Kaffee traf.

Und das, was er damit macht, macht uns eine neue Bildergeschichte,

wenn ich ihn dabei fotografiere. Und es wird helfen, wenn eines Tages

vielleicht alles nicht mehr ganz so schön sein sollte – oder wenn der

Tag kommt, an dem wir für immer irdischen Abstand nehmen müssen. Das

kann ja jede Sekunde sein. Darüber entscheidet zum Glück nur das, was

uns geschaffen hat- Mit Kohelet – und es ist doch nur „alles

Windhauch.“

Antworten

Der Autor der Familiengeschichte

Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 30. November 2010 – 12:01.

Und es macht einiges an Abveit, das zusammmenzustellen? Vielen Dank

für den Tipp. Wer weiß, vielleicht wird das hier von dem einen oder

anderen aufgegriffen.

Antworten

Familien-Geschichtsbuch

Verfasst von baksb am 1. Dezember 2010 – 17:58.

Naja, man muss Spaß daran haben. Im Prinzip ist es wie früher schon:

Man schaut die alten Fotos an, sortiert sie ein wenig, erzählt davon,

legt sie zur Seite oder macht ein eigenes Album für jedes der Kinder –

diesmal für die Eltern, weil die das für sich so nie machten. Und da

immer mehr digitale Bilder gespeichert werden müssen, lernt man auch,

sie in elektronische Alben zu legen und dann fehlt nur ein wenig

Geschick, Zeit, Lust am Ergebnis – und das Schöne: Man kann es auch

direkt dem Empfänger schicken und muss nicht zur Post, da die doch

auch immer weiter weg ist.

Schließlich ist es ein Stück Verarbeitung eigener Vergangenheit,

Einordnung eigener Wahrnehmung der Kinderzeit, auch Loslassen des

Gewesenen, Erkennen dass es mit eigenem Erleben heute auch im Morgen

sein wird. Was mich einmal beschäftigte, interessierte, aufregte, in

Bewegung brachte – die Morgigen können es sich sowieso nicht

vorstellen. Da fällt mir ein, dass Charles Aznavour darüber ein

Chanson machte. Das hör ich mir nun an.

Nein, ich vergaß nichts davon

oder

Es ist schon lange her…

Antworten

3. Advent – das Positive finden

Verfasst von baksb am 12. Dezember 2010 – 19:15.

Auszug aus dem Bericht an den Betreuer:

„habe unseren Vater heute nach einer Pause von etwa 8-10 Tagen besucht

und zum Advent nach Hause geholt. Es ist Sonntag.

– Mobilität war sehr gestört. Konnte kaum stehen. Drohte ständig umzukippen.

– Habe ihn mit Rollator zum Auto gefahren, bei uns war er dann

entspannter – in seinem Zimmer war er sehr nervös. Grund unbekannt. .

Strömender Regen. Mir kamen Leute entgegen, die sahen, dass ich seinen

STock, den Berg mit Wäsche (Vorhang) und meinen Vater schleppte, den

Rollator mit zwei Fingern jeder Hand steuert und ihn kaum durch den

plötzlich einsetzenden Hagel transport bekam. Hilfe hätte ich

gebrauchen können – die Damen und Herren, die mir entgegen kamen,

sahen das aber wohl nicht….

– Der Hocker hatte heute Mittag eine Kot-Schleifspur. Habe Bescheid

gesagt. War um 18.30 Uhr aber immer noch drauf.

– Vorhang wird von uns zu Haus gewaschen, hat unten etwa 50 cm Wasser

gezogen vom feuchten Boden. Sah schlimm aus.

– Vorhang war um 14 Uhr zugezogen, als ich kam. Es war aber die Tür

zum Lüften schräg gestellt. Das war gut.

– Auf dem Zimmertisch lag eine gebrauchte Windel. Habe sie in

Mülleimer geworfen. Ca. 1,50 m Abstand vom Tisch.

– Schlafanzug lag auf Couch. Ob das seiner war, bezweifle ich. Kenne

diesen Stoff nicht.

– Schublade mit seinen vielen Unterhosen war ziemlich leer. Scheint

viel Verbrauch zu haben.

– Schublade mit Bettwäsche war auch ziemlich leer – vermutlich noch in Wäsche.

– Nach Rückkehr immer noch sehr wackelig. Kippte in einem

unbeobachteten Moment einfach um, als ich eine Zeitschaltuhr für den

Stern einsteckte.

Außerdem:

Benötige dringend einen Schlüssel. Werde immer deutlich aufgefordert,

dieses blöde Tor zu schließen, was ich sowieso mache (ich weiß, in

welchem Job ich arbeite und komm mir dabei ziemlich blöd vor, das

immer zu hören).

Törchen schließt aber nicht, man kann nicht mit leichtem Druck zu

machen. Habe das heute mit Ellbogen machen müssen, weil ich unseren

Vater auf dem Rollator sitzen hatte und kaum halten konnte. Wurde dann

wirklich angemacht, dass ich das kaputt gemacht hätte. Nachher wurde

mir dann gesagt, dass schon gestern der Hausmeister beauftragt war,

das Schloss zu reparieren.

Fazit: Wenn ich einen ordentlichen Schlüssel habe, kann ich auch mit

Schlüssel Tor auf und zu machen, sonst warte ich mit Besuch, bis ich

einen habe. War sehr verärgert.

Soviel zum 3. Advent.

Pardon – doch was Positives. Er hat von unseren selbst gemachten

Keksen je eins probiert und die Zeit bei uns wohl auch genossen. Hatte

jedenfalls ein Tränchen, das die Wange runter lief. Schade, dass ich

am nächsten Sonntag dienstverpflichtet bin. Die Atheisten haben leider

alle keinen Sinn für Weihnachten…. “

Besuch des Gottesdienste – mein Vater würde es gerne. Kirche hatte

aber zu, als ich ihn besuchte. Wie immer natürlich am Samstag. Und in

der Woche komme ich nicht in die andere Ecke der Stadt – nach 5, wenn

ich telefonieren könnte – ist keiner erreichbar…. 200 m von der

Wohngruppe sind es bis zur Kirche – dass da keiner drauf kommt, wo er

doch das riesige Kreuz in seinem Zimmer hängen haben will…. – ich

gebs auf.

Und meine Kirche ist nicht da, wo ich arbeite. Pech gehabt.

Antworten

Bericht schreiben

Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 13. Dezember 2010 – 11:41.

Aha, da schreibst Du also an den Betreuer alias Bruder so einen

Bericht. Das kommt mir sinnvoll vor, dann sind die Eindrücke

festgehalten.

„Hilfe hätte ich gebrauchen können – die Damen und Herren, die mir

entgegen kamen, sahen das aber wohl nicht….“ Da nehme ich vor, in so

einer Situation den Mund aufzumachen und um Hilfe zu bitten. Danke für

den Impuls. Dir eine gute Woche!

Antworten

Abstand

Verfasst von baksb am 13. Dezember 2010 – 17:13.

Der Bericht sollte so sein, da er dann an die zuständigen Leute gehen

kann – und ich reg mich nicht mehr so auf und muss es nicht selber

regeln.

Was die Hilfe betrifft – hab schon deutlich um Hilfe gebeten und hätte

nur jemand gebraucht, er mal kurz die Vorhänge hält, damit ich die

Hände frei hab…. Naja, ich bin eben ziemlich beladen gewesen.

Antworten

Hilfsbereitschaft

Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 16. Dezember 2010 – 9:28.

„ich reg mich nicht mehr so auf und muss es nicht selber regeln“ das

finde ich so gut an dem Bericht!!

Das ist schlimm, dass Leute nicht mal eben helfen. Oft werden

Katastrophen oder Mangelsituationen im Nachhinein positiv gesehen,

weil dann jeder jedem geholfen hat, so gut es ging. Zum Beispiel bei

der Versorgungslage in der DDR oder auch jetzt im Schnee. Angesichts

der weißen Massen auf den Straßen bleiben Autos stecken, und so

langsam hat es sich eingependelt, dass dann mit anschiebt, wer gerade

vorbei kommt.

Tja, was macht man, damit mehr geholfen wird?

Antworten

4. Advent

Verfasst von baksb am 19. Dezember 2010 – 10:05.

Schon wieder ist es eine Woche her, dass mein Vater bei uns zu Hause war.

Gestern – nach meiner Arbeit, die leider auch das Wochenende nicht

schont – fuhr ich hin. Man wechselte gerade die Bettwäsche, das Zimmer

war gelüftet und roch frisch. Meinem Vater ging es erheblich besser

als letzte Woche. Und das Erstaunliche: Er konnte sich an die letzte

Woche erinnern. Die Erinnerungslücke betrifft derzeit vorwiegend das

Jahr 2009, als seine Frau starb.

Ich spielte auf dem dort nun neu stehenden gebrauchten Klavier ein

paar Weihnachtslieder – die alten Leutchen sangen mit – Tochter Zion,

Ihr Kinderlein kommet, Maria durch ein Dornbusch ging, u.v.a. – Ich

kann es nicht mehr so gut wie früher – viele Jahre nicht geübt. Aber

ihnen hat es Freude gemacht – und ein wenig auch mir. Wo doch immer

noch keiner gefunden ist, der mal die 200 m sonntags mit meinem Vater

zu „seiner“ Kirche geht.

Nun ist der vierte Advent. Draußen liegt tiefer Schnee.

Antworten

… da haben die Dornen Rosen getragen … Kyrie eleiseon …

Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 23. Dezember 2010 – 15:18.

Mir hätte es auch Freude gemacht. Dass Du das kannst und tust, Dich

ans Klavier zu setzen, auch wenn Du viele Jahre nicht geübt hast! Das

mit dem Gottesdienst ist ein noch ungelöstes Problem. Vielleicht könnt

Ihr an irgendwelchen der kommenden Feiertage, zum Beispiel Silvester,

gemeinsam hingehen.

Antworten

Weihnachten ohne Gottesdienst.

Verfasst von spero (km) am 23. Dezember 2010 – 17:24.

Es werden die ersten Weihnachten ohne Gottesdienst sein. Seit  Wochen

komme ich nicht raus – Kein Weihnachtsmarkt kein Weihnachtsbummel,

keine Rorate und keine Messe. Weihnachten findet wo annders statt. Wir

sind eingeschneit.

Teresa

Suscipe me domine…Obl.OSB

Antworten

Ohne Gottesdienst…

Verfasst von baksb am 23. Dezember 2010 – 19:44.

… Ich gehöre ja zu denen, die geistig immer im Gottesdienst zu sein

versuchen. Die katholische Heilige Messe, das orthodoxe heilige Amt,

der evangelische Gottesdienst – die Treffpunkte am Sonntag— mir

fehlen die das ganze Jahr. Aber meinen täglichen Gottesdienst ohne

Gesang, aber mit dem Klang der Engel, die mit Zimbeln und Trommeln

gegen den Sturm des Meeres ankämpfen, den habe ich. Leider stets ohne

Pfarrer. Allein gestellt auf den Geist, der mir doch hoffentlich oft

genug die Richtung weist.

Seit Jahrzehnten sind wir wegen der Kinder und dann wegen des Enkels

und zwischendurch wegen des Berufs meiner Frau in Kinder- und

Familiengottesdiensten. Die sind wie sie sind – und letztlich sind sie

schön; aber unruhig. Und ich möchte mal wieder aus dem Vollen schöpfen

– beim HÖren, beim Mitsingen, bei der Predigt, beim anschließenden

Nachgespräch. Nur – wir frühstücken dann gerade, der einzige Tag der

Woche ohne den alltäglichen „Gottesdienst“.

Als langjähriger ehemaliger katholischer Klosterschüler fehlen mir

seit vielen Jahren die festlichen Hochämter, der Gesang des großen

Chores, das Brausen der König-Orgel in Steinfeld, die farbenprächtigen

Gewänder, die großen Einzüge der Ministranten, der Duft des

Weihrauches… alles Äußerlichkeiten, die in evangelischen Kirchen

verpönt sind. Man kann hoffen, dass der geneigte Leser das bis hierhin

überhaupt durchhält, dass ich das gut finde und trotzdem evangelisch

bin – oder bin ich doch katholisch? Aber warum fühlte ich mich damals

so einsam in meiner Kirche, die mein Leben nicht mochte?! Und warum

ist es so kirchlich einsam in meiner so trockenen evangelischen

Kirche, die sich so schwer tut mit einem kraftvollen Kreuzzeichen, die

nie das „ite missa est“ – So geht hin und sendet den Frieden aus – am

Schluss mit Orgelklang hinaustragen will, weil es nicht reformatorisch

ist… oder was weiß ich, warum nicht.

So möchte ich Dir, liebe spero, sagen, dass doch dein Alltag, dein

Gesundheitszustand, die Sorgen oder die Haltung dazu ein einziger

Gottesdienst sind. Weihnachten damals in der Grotte in Bethlehem – wo

die Hirten Unterschlupf vor Regen oder Hitze, vor Kälte oder vor den

Unbilden der Natur finden, Geborgenheit für das kleine Baby, das auf

so unorthodoxe Weise zur Welt kam und so verheißungsvoll aufgenommen

wurde – bis heute von den kleinen HIrten, den Machtlosen, den

Hilflosen, den Hoffnungsvollen, den Eingeschneiten – es ist doch da,

„seht ihr es nicht?!“.

Ich wünsche allen Lesern dieser Zeilen ein schönes Weihnachten –

verbunden mit all denen, die in Grotten und an Krippen stehen, weitab

von den Gelagen derer, die einen Platz haben.

Hier ein schönes Lied dazu – ein Lied an die Mutter Jesu. Wie auch

immer sie schwanger wurde – es interessiert mich nicht. Es

interessiert, dass sie das Kind Jesus liebt. Und sonst wäre daraus

möglicherweise nicht der geworden, der er heute für uns ist.

AVE – gesungen von Aznavour, mit Bildern der Welt

Antworten

Danke

Verfasst von Coriander am 23. Dezember 2010 – 23:16.

Danke.

Coriander

PS. Für konstruktive Diskussionen rund um die Community auf

evangelisch.de gibt es den Kreis evangelisch.de. Anmelden und

mitdiskutieren 🙂

Antworten Mitglieder-Login

Benutzername: *

Passwort: *

Neu registrieren

Neues Passwort anfordern

Noch 86 Tage bis zum Start des Barcamps Kirche 2.0 in Frankfurt Bornheim

Mehr Infos auch via QR-Code:

Themen

Politik

Wirtschaft

Gesellschaft

Kultur

Religion

Medien

Wissen + Umwelt

Regional

Weblogs

Kompass

Wegweiser Kirche

Glauben und Leben

Rat und Tat

Bildung und Verantwortung

Rundfunk

youngspiriX

Buchtipps

Kirchentag 2011

Community

Forum

Journal

youngspirix

Chat

Blogs

Kreise

Lebensbücher

Was uns bewegt

Mithelfen

Hilfe

Evangelische Kirche in Deutschland

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Gliedkirchen

Anhalt

Baden

Bayern

Berlin-Brandenburg

schlesische-Oberlausitz

Braunschweig

Bremen

Hannover

Hessen und Nassau

Kurhessen-Waldeck

Lippe

Mecklenburg

Mitteldeutschland

Nordelbien

Oldenburg

Pfalz

Pommern

Reformierte Kirche

Rheinland

Sachsen

Schaumburg-Lippe

Westfalen

Württemberg

© 2009 – 2010 evangelisch.de  |  Tel: 069 58 098 – 189  |  Fax: 069 58

098 – 418  |  Kontakt  |  Impressum  |  Presse  |  Datenschutz  |  AGB

Postanschrift:

B. Boden

Eugen-Sänger-Str. 18

50739 Köln

Tel. 0221-5994489

Fax 0221-9572965

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s